Beruf, Familie, Ruhm, Geld… All dies sind bloß Hüllen, denn es kommt immer wieder der Augenblick, im welchem alles vom Menschen abfällt wie ein Kleid.

Wie schön eine Frau auch sein mag, es kommt einmal die Zeit, da ihr Aussehen das einer alten Frau ist. Auch das größte Genie wird am Ende altersschwach. So gibt es hundertfache Hüllen, in die wir gekleidet sin: Überheblichkeits- und Minderwertigkeitsgefühl, Glück oder Unglück, ferner alle Dogmen, die Zugehörigkeit zu einer Rasse, zu einem Volke. Gewiss, wir wechseln manchmal und ändern unsere Weltanschauung, unseren Ismus; wenn es jedoch ans Sterben geht, streift dann nicht der Mensch sogar seine letzte Hülle ab, seine Volkszugehörigkeit, und stirbt als ein völlig nacktes „Ich“?

Uchiyama, Kosho, Weg zum Selbst – Zen-Wirklichkeit, 1973, S.31