Ich hatte gestern versucht, nach Basel zu fahren, um mich für Klimaschutz zu engagieren, und habe statt dessen knapp fünf Stunden lang CO2 und sonstigen Dreck in die Luft gepustet – gemeinsam mit zehntausenden anderen, die wie ich im Stau gestanden haben. Diese Situation ist vielleicht symptomatisch für diese Art von Bemühungen. Man möchte das eine (Sich für den Klimaschutz einsetzen) und tut das andere (Sinnlos durch die Gegend gurken).

Ich glaube, es gibt gar keine „Klimakatastrophe“. Es gibt aber eine Katastrophe, die Mensch heißt. 

Ich war vorgestern mit meiner Tochter in Holzmaden auf der schwäbischen Alb. Dort war zu lesen: Projiziert man die Geschichte dieses Planeten auf die zwölf Stunden einer Uhr, so macht die Geschichte des Menschen von den absoluten Anfängen an einen Zeitraum von etwa 36 Sekunden aus. Ich nehme mal an, dass wir als Menschheit – um in diesem Bild zu bleiben – nicht einmal die nächste Sekunde überleben werden. Danach dauert es noch ein paar „Sekunden“ und die Erde, die Natur, das Klima sind wieder im Gleichgewicht. 

Das ist vielleicht vergleichbar mit der Weinproduktion. Die Hefen im Wein verbrauchen den Traubenzucker und erzeugen dabei – als Abgas oder Abfall – so viel Alkohol, dass sie sich damit schnell und gründlich ihre eigene Lebensgrundlage zunichte machen. Der Mensch als Ergebnis einer Schimmelkultur. Im Zeitraffer betrachtet ist das Erscheinen des Menschen eine kurze, heftige ökologische Katastrophe, die eine millimeterdünne Schicht Dreck hinterlassen wird – mehr nicht. Danach ist wieder Ruhe… ebenso wie davor.

Der Begriff „Klimakatastrophe“ ist ebenso irreführend wie der Begriff „Naturschutz“. Wir müssen die Natur nicht schützen. Und auch das Klima nicht. Beide kommen sehr gut ohne uns aus, und wir werden auch beide letztlich nicht zerstören können. Wir müssen, falls uns etwas am Weiter-Existieren liegt, viel mehr uns selbst schützen – und zwar vor uns selbst

Es ist offensichtlich, dass wir immer noch das Problem des Klimawandels und der Umweltzerstörung als etwas Äußeres betrachten, das wir mit technischen Mitteln oder einer anderen Form von Konsum lösen können. Das wird aber in keiner Weise funktionieren können, solange wir nicht uns selbst verändern – und zwar grundlegend.

Ich sage „wir“, weil ich mich nicht über andere stellen kann, denn ich bekomme es selbst ja nicht hin! Ich bekomme es nicht hin, obwohl ich über alles notwendige Wissen verfüge! Ich spüre in mir diese Dynamik aus Fremdbestimmung, Ignoranz, Trägheit und Egozentrik wie einen starken reißenden Strom, der mich immer wieder in die eine Richtung drängt, obwohl ich eine andere einschlagen möchte. Im Stau gestern ist mir das sehr deutlich geworden. Wie kann das sein?

Offenbar ist da etwas in uns am Werke, dass Natur ist und zugleich uns die Lebensgrundlage entzieht. Diese Dynamik ist nicht außen sondern innen, in der Art und Weise, wie wir Menschen funktionieren. Da ist etwas Unersättliches, ständig dem Wachstum Zugeneigtes und zugleich etwas sehr Träges und Ängstliches… Wir verfügen aber zugleich auch über Verstand und die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis, die ja auch Teil der Natur sind. Wenn wir nun diesen Teil in uns stärken, indem wir auf geistige, innere statt auf technische, äußere Veränderung setzen, besteht vielleicht die Chance, dass wir als andere Gesellschaft aus dieser Krise hervorgehen.

Die Lehre des Buddha zeigt uns, wie wir uns selbst und anderen weniger Bedrohung, weniger Katastrophe sein könnten, zeigt uns auch, wie wir mit der Natur als Teil der Natur in einer Art von Harmonie leben könnten, die weitgehend angstfrei, unabhängig, erfüllend und glücklich sein würde… Wir haben seit Jahrtausenden das Werkzeug dazu in den Händen… Aber ich denke, dass wir als Wesen einfach viel zu verkorkst und stumpfsinnig, zu faul und zu egozentrisch, kurz zu sehr Natur sind, als dass wir als Menschheit jemals diesen Weg beschreiten könnten. In jedem Fall wird uns keine neue Technologie, kein Verzicht, keine Erfindung, keine Ökowende, etc. retten, weil wir selbst das größte Problem sind. Wir müssten zu neuen Menschen werden, eigentlich ganz andere Wesen… Dann wäre vielleicht noch Hoffnung. Der Buddha zeigt uns dieses Wesen und den Weg, der dorthin führt. Aber ich bezweifle doch stark, dass dieses Ziel, solche ein Wesen zu werden, jemals zum ernsthaften Massenphänomen wird, das politische und wirtschaftliche Relevanz bekäme.

Traurig eigentlich. Es gibt einen Weg. Aber offenbar können wir diesen Weg aus uns selbst heraus nicht einschlagen. Eigentlich ist der Mensch mit seinen unglaublichen Fähigkeiten, zu fühlen, zu erleben und wahrzunehmen eine sehr geeignete Form, in der das Leben sich selbst erkennen könnte und kann, in aller Tiefe und Schönheit. Jeder, der einmal in wirklicher innerer Stille auf einer Wiese gesessen hat, wird das bestätigen können.

Klimaschutz müsste eigentlich „Förderung der geistigen Entwicklung des Menschen“, mit anderen Worten „Geistesschulung“ heißen.