Wozu soll das gut sein?

Warum sollte man sich hinsetzen und einfach nichts tun? Wozu sollte man sich mit dem Gesicht zur Wand hinsetzen und vor sich hin starren?  Gibt es nicht sehr viele Dinge, die sinnvoller sind oder einfach mehr Spaß machen? Das sind Fragen, die sich wahrscheinlich viele stellen, die zum ersten Mal auf dem Boden oder auf einem Stuhl sitzend, oder auf dem Rücken liegend versuchen, nichts zu tun. Wie tut man nichts? Tut man nicht immer etwas?

Um es kurz zu machen, Meditation dient vor allem Folgendem: Mehr Glück und Zufriedenheit im Alltag zu erlangen, indem man sich selbst besser kennenlernt und zur Ruhe kommt.

Eine Kunst, nichts zu tun.

Der französische Philosoph und Mathematiker Blaise Pascal brachte es mit folgender Formlierung auf den Punkt:

Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher,
daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.

Es ist eine Kunst, nichts zu tun. Diese Kunst gibt dem Leben eine neue Grundlinie, von der aus wir die Dinge in einem anderen Licht betrachten können. Und das hat nichts mit Faulheit zu tun. Im Gegenteil: Wenn man glaubt, nichts zu tun, indem man nur dasitzt oder auf dem Sofa liegt, beschäftigt man sich doch ununterbrochen mit inneren Monologen, Plänen, Hoffnungen, mit den Enttäuschungen oder Freuden der Vergangenheit oder mit den Plänen, Befürchtungen oder Erwartungen in Bezug auf die Zukunft. Bei der Meditation geht es aber darum, den Geist zur Ruhe zu bringen.

Welchen Vorteil hat es, wenn man den Geist zur Ruhe gebracht hat?

In den meisten kontemplativen Traditionen wird berichtet, dass eine besondere Form von Glück und Frieden den Geist durchweht, wenn die Gedanken und Emotionen mehr und mehr zur Ruhe kommen. Sorgen, Pläne, Ängste und Erwartungen, und auch der ständige innere Monolog werden mit dichten Wolken verglichen, die den klaren, offenen Himmel verdecken, so dass man zuweilen sogar vergisst, dass der Himmel überhaupt da ist, und immer schon da gewesen ist. Mit anderen Worten: Hinter aller Geschäftigkeit, die den Alltag der meisten von uns bestimmt, befindet sich immer schon eine Quelle der Unmittelbarkeit und des Glücks, eine Form des Seins, wie man sie vielleicht aus der Kindheit kennt oder aus Situationen in denen man wortwörtlich wunschlos glücklich ist. Und das ist vielleicht das faszinierendste an der Technik der Meditation: Durch Stillhalten und Nicht-Wollen in der Stille klärt und heilt sich der Geist von selbst, wie sich auch eine Wunde an der Haut von selbst schließt und heilt, wenn man sie einige Zeit von äußeren, schädlichen Einflüssen fern hält, indem man sie etwa mit einen Verband bedeckt.