In der buddhistischen Geistesschulung geht man den Weg des Glücks. Alle Wesen wollen Glück erlangen und Leid vermeiden. Man sollte nicht vergessen, warum man das alles macht, sich das Hirn faltig denkt mit solchen abstrakten Dingen wie Leerheit oder Anhaftung oder stundenlang die Wand anstarrt. Das Ziel ist, glücklich zu werden.

Ein Zigarettenraucher ist glücklich, wenn er nach einem langen Flug endlich wieder eine Zigarette anzünden kann. Vorher hat er im Flugzeug unter den Entzugserscheinungen gelitten. Würde er nicht rauchen, hätte er weder das Leid des Entzuges zu dulden gehabt, noch den Genuss der ersten Zigarette mit Freude genossen.

Nun kann man sagen, ohne den Entzug, seine Abhängigkeit hätte der Raucher auch nicht das Glück der Zigarette gehabt. Ist also nur Glück in Relation zu Unglück möglich? Es scheint fast so. Das Leid des Wandels wird das im Buddhismus genannt; wir verwechseln das oft mit Glück. Es gibt aber noch eine weitere, dauerhaftere Art des Glücks. Das ist das Glück der Freiheit von Abhängigkeit. Ein Raucher muss rauchen und er muss auch die Entzugserscheinungen dulden, wenn er aus irgendwelchen Gründen nicht rauchen darf. Er hat keine Wahl. Jeder, der schon einmal geraucht hat, weiß, was es für ein befreiendes Gefühl ist, nach ca. einer Woche nicht mehr rauchen zu müssen. Diese gewonnene Autonomie ist eine Form des Glücks, die nicht mehr äußeren und inneren Bedingungen unterworfen ist. Ich muss keine Entzugserscheinungen mehr dulden, wenn ich im Flugzeug bin, ich muss auch nicht mehr Rauchen, wenn ich endlich wieder Gelegenheit dazu habe. Ich bin unabhängig von diesen Zwängen. Diese Form von Glück ist wesentlich stabiler als der kurze Genuss der ersten Zigarette nach einer Zeit der Abstinenz. Denn das erste Glücksgefühl nach den ersten Zügen an der Zigarette weicht schnell einer Ernüchterung, einer Gewöhnung, bei der das anfängliche Glück schnell einer Frustration weicht. Das Sanskrit-Wort Dukkha (Leiden) wird ja auch neben „Durst“ gerne mit dem Wort „Frustration“ übersetzt. Diese Frustration folgt fast allen Arten von „weltlichem“ Glück früher oder später. Mit „weltlichem“ Glück ist hier solches gemeint, das man auch Befriedigung eines Verlangens, Erfüllung einer Begierde, Löschen eines Durstes nennen könnte. Das merkwürdige bei dieser Art von Glück ist, dass die Erfüllung, die Befriedigung die Löschung des Durstes nur relativ kurz anhält und dann wieder einer Fühllosigkeit weicht, bis das nächste Verlangen auftaucht, das nach Befriedigung verlangt.

Wenn jemand einem diese Art von Glück streitig machen will, löst das Zorn oder Hass aus. Die Vorstellung für mehrere Stunden nicht rauchen zu dürfen, erfüllt passionierte Raucher mit Zorn und Angst. Wenn man einem Alkoholiker oder einem Junkie seinen Stoff vorenthält, werden sie in der Regel fuchsteufelswild. Abhängigkeit, Begierde bringt Hass hervor auf den oder die, welche einem das Glück vorenthalten wollen. Ein Drogenabhängiger, der seine Sucht überwunden hat, hat damit natürlich auch den Hass überwunden auf die, die ihm angeblich den Stoff streitig machen wollen.  Zudem wird er auch Mitgefühl für die empfinden, die sich noch in der Abhängigkeit befinden, denn er weiß genau, wie es sich anfühlt, wenn man in die Abhängigkeit nach einer Droge verstrickt ist.

Ein Buddha ist nun jemand, der alle Abhängigkeiten, wortwörtlich ALLE überwunden hat.

Wenn ich mir mein Leben genau anschaue, sehe ich unzählige Abhängigkeiten, unzählige „Drogen“. Die meisten bemerke ich erst, wenn ich sie nicht mehr zur Verfügung habe. Dazu gehört meine körperliche Fitness zum Beispiel. Solange sie mir zur Verfügung steht, bemerke ich meine Abhängigkeit nicht. Der Körper wird irgendwann seine Funktionen mehr und mehr einbüßen. Darunter werde ich leiden, das weiß ich. Mit Alter, Krankheit und Tod, werde ich ALLES verlieren. Alles, was mir Freude macht, wird mir so zu einer Quelle des Leidens: Der Spaziergang, das Glänzen der regenfeuchten Blätter, der wunderbare Geruch des herbstlichen Waldes, alles wird mir zum Anlass für Durst, Verlangen, für Dukkha, wenn ich all diese schönen Dinge, Gefühle und Empfindungen drohe zu verlieren.

Nicht also nur materielle Dinge gehören zu dem, was Leiden erzeugen kann, sondern schlicht alles, was kurzfristiges Glück erzeugt. Es gibt auch die Begierde nach Existenz, nicht nur von Dingen oder Empfindungen innerhalb der Existenz. Die Abhängigkeit im Sinne von Sucht durchdringt also beinahe jede Facette der Existenz.

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